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Blasorchester Musikverein Cannstatter Bläserkreis e.V. Stuttgart - Bad Cannstatt – 2005 Festakt 100 Jahre Vereinigung ...

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Mittwoch, 13. September 2017um 22:33

2005 Festakt 100 Jahre Vereinigung ...

"In 100 Jahren hat man sich aneinander gewöhnt"
Der Erste Bürgermeister Michael Föll ist gestern aus lokalpatriotischer Verbundenheit in den Kursaal gekommen, um mit den Bürgern den 100. Jahrestag der Vereinigung Cannstatts mit Stuttgart zu feiern. Gejubelt wurde aber nicht.

Von Jörg Nauke
"Die Stadtgemeinde Cannstatt tritt unter Ausscheidung aus ihrem seitherigen Verband mit dem Oberamt Cannstatt in den Amts- und Gemeindeverband der Stadt Stuttgart ein. Der Eintritt erfolgt auf den Zeitpunkt, welcher in dem hierüber erlassenden Gesetz bestimmt werden wird." So gewählt hat man sich vor 100 Jahren ausgedrückt, als man die "Vereinbarung betreffend die Vereinigung der beiden Städte" Cannstatt und Stuttgart in Paragrafen goss. Das komplette Vertragswerk lag gestern als Tischvorlage im historischen Kursaal aus, wo der Festakt mit Wein und Brezeln (inklusive historischem Vortrag und Musik) gefeiert wurde.
Bezirksvorsteher Hans-Peter Fischer erhielt dort kräftigen Beifall für seine Feststellung, die Vereinigung habe mehr als nur "eine beiläufige Erwähnung" verdient, ein Grund, in Jubel auszubrechen, sei das Jubiläum freilich auch nicht. Es sei schließlich keine Liebesheirat gewesen, allerdings auch keine feindliche Übernahme.
So hat es auch der gebürtige Cannstatter Michael Föll nachgelesen, der OB Schuster vertrat. Der Finanzbürgermeister kam aus lokalpatriotischer Verbundenheit in den Kursaal und war angenehm überrascht, dass der Bläserkreis vor seiner Rede "Freude schöner Götterfunken" und danach "Freunde fürs Leben" intonierte. Er deutete dies als Beleg dafür, dass man sich im Laufe eines Jahrhunderts aneinander gewöhnt habe. Er war aber auch nicht mit leeren Händen gekommen. Für jedes Jahr in der Zweckgemeinschaft gab es aus der Stadtkasse 25 Euro, was einem Betrag von 2500 Euro entspricht, den die Cannstatter einem guten Zweck zukommen lassen dürfen. Diese bescheidene Gabe versah er noch die Bitte an die wenigen anwesenden Stadträte, bei den Etatberatungen doch die Mittel für die Sanierung des Kursaals einzustellen. Föll bilanzierte, mit Ausnahme der Markthalle seien alle im Vereinigungsvertrag vereinbarten Pflichten erfüllt.
Der Kämmerer erinnerte daran, dass die Cannstatter Braut trotz der Schulden von 4,5 Millionen Mark attraktiv gewesen sei - immerhin bestand die Mitgift aus "Wein, Wasser, Wirtschaft und Wilhelma". Der Stuttgarter Bräutigam sei damals durchaus wählerisch gewesen. Die Eingemeindung Degerlochs war 1901 noch abgelehnt worden.
Zu einem Parforceritt durch 100 Jahre Cannstatter Stadtgeschichte hatte sich Roland Müller überreden lassen. 45 Minuten Redezeit sind für den Leiter des Stadtarchivs nur ein kurzer Augenblick, dennoch hat er es geschafft, Aufstieg und Niedergang der Bäder- und Industriestadt zu beschreiben. Ohne den nur durch Vereinigung möglichen Vorstoß an den Neckar hätte Stuttgart nie seine heutige Bedeutung erlangt, sagte Müller. Andererseits hätte Cannstatt die anstehenden Investitionen in die Infrastruktur allein nicht bewältigen können. Nach Kriegsende waren die beiden Städte übrigens kurzfristig wieder getrennt - das rechte Neckarufer war von den Franzosen besetzt, in Stuttgart waren die Amerikaner einmarschiert. Es gab sogar getrennte Lebensmittelmarken, am 4. Mai 1945 fand dann aber die zweite Vereinigung statt.
Cannstatt sei "Nutznießer und erstes Opfer" des Individualverkehrs geworden, sagte Müller und zitierte Alt-OB Rommel, der mit dem Wort von "Stuttgarts Unwirtlichkeit" die belasteten Straßen in Bad Cannstatt beschrieb. Müller erwähnte aber auch die positiven Entwicklungen wie die Sanierung der Altstadt, die Umwandlung der Militärbrachen, den Pragsatteltunnel, und er attestierte den Cannstattern, ihre lokale Identität bewahrt zu haben. Das sei vor allem dem Kübelesmarkt zu verdanken.
 
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